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02.12.2017 Von: EH/LP

Sprechen wir darüber - Gewalt an Mädchen und jungen Frauen (#sprechenwirdarüber)

Sprechen wir darüber - Heute über die Erlebnisse von «Ilzana». Frauenrechte sind Menschenrechte – das gilt auch für Frauen und Mädchen im Asyl- und Ausländerrecht. Die Schweizerische Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht (SBAA) will im Rahmen der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» die erlebte Gewalt von Frauen im Asyl- und Ausländerrecht sichtbar machen. Mit dokumentierten Fällen und 6 Berichten der Serie «Sprechen wir darüber! Gewalt an Mädchen und Frauen auf der Flucht und im Asylverfahren» der Amnesty International Frauengruppe Zürich werden die vielfältigen Gewalterfahrungen von Migrantinnen und deren Anerkennung durch Schweizer Behörden thematisiert.


Kampagnensujet 2017

«16 Tage gegen Gewalt an Frauen» 

 

#sprechenwirdarüber

 

«Ilzana» Fall 317 

 

«Ilzana» lebte in einer arrangierten Ehe mit ihrem Ehemann in der Schweiz. Nachdem sie Opfer häuslicher Gewalt geworden war, lehnten das kantonale Migrationsamt, die Rekursabteilung der zuständigen kantonalen Direktion und das SEM ihr Gesuch um Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung trotz zahlreicher Berichte, welche die erlittene häusliche Gewalt belegen, ab. Das kantonale Verwaltungsgericht hiess «Ilzanas» Beschwerde gut und bestätigte, dass sie Anspruch auf die Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung hat. Daraufhin erhielt sie einen Brief des SEMs, welches die Zustimmung verweigern wollte. Nachdem «Ilzanas» Anwältin in einer Stellungnahme festgehalten hatte, dass das Zustimmungsverfahren des SEMs nach einem kantonalen gerichtlichen Entscheid nicht zulässig sei, verlängerte das kantonale Migrationsamt die Aufenthaltsbewilligung; das SEM nahm keine Stellung.

 

 

  • «Ilzana» reichte verschiedene Berichte des Frauenhauses, der kantonalen Opferhilfestelle und ihrer Psychiaterin sowie Polizeirapporte, Strafanzeigen und Unterlagen zu Gewaltschutzmassnahmen ein, welche die erlittene häusliche Gewalt bestätigen. Weshalb wird ihr vom kantonalen Migrationsamt, der Rekursabteilung der zuständigen kantonalen Direktion und vom SEM die eheliche Gewalt trotzdem nicht geglaubt?
  • «Ilzanas» Ehe mit ihrem Exmann war eine arrangierte Ehe. Wichtige persönliche Gründe für die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung nach Auflösung der Ehe nach Art. 50 Abs. 2 AuG i.V.m. Art. 50 Abs. 1 lit. b sind nicht nur eheliche Gewalt, sondern auch Ehen, die nicht aus freiem Willen geschlossen wurden. «Ilzana» hätte also auch aus diesem Grund Anspruch auf eine Verlängerung ihrer Aufenthaltsbewilligung. Warum berücksichtigen das kantonale Migrationsamt, die Rekursabteilung der zuständigen kantonalen Direktion und das SEM diese Tatsache nicht?

 

 

Lesen sie mehr zu diesem Thema im Fachbericht 2011 der SBAA "Häusliche Gewalt und Migrantinnen", im Fachbericht 2016 des Observatoire romande du droit d’asile et des étrangers (ODAE) „Femmes étrangères victimes de violences conjugales. Obstacles au renouvellement du permis de séjour en cas de séparation“ und im Fachbericht der SBAA „Familienleben - (k)ein Menschenrecht. Hürden für den Nachzug und den Verbleib in der Schweiz“, welcher Ende 2017 erscheinen wird.

 

 

2017 findet in der Schweiz zum zehnten Mal die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Das Fokusthema der Kampagne 2017 lautet „Sprechen wir darüber – Gewalt an Mädchen und jungen Frauen in der Schweiz“. Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren sind gemäss aktuellen Forschungsergebnissen und nationalen Statistiken einem erhöhten Risiko ausgesetzt, verschiedenste Formen von Gewalt zu erfahren. Dazu gehören sexuelle Übergriffe durch Gleichaltrige (auch in jugendlichen Paarbeziehungen), häusliche Gewalt durch Eltern oder Gewalterlebnisse im virtuellen Raum, wie Cybermobbing, Sexting oder Cyberstalking. Auch Gewalt im Migrationskontext ist in dieser Altersklasse ausgeprägt (Genitalverstümmelung, Zwangsheirat), ebenso strukturelle Gewaltformen wie Sexismus oder Diskriminierung. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Plakatkampagne, zahlreichen Veranstaltungen und interaktiven Angeboten für Jugendliche wird das Thema gesellschaftlich enttabuisiert.

 

Die Kampagne umfasst 16 Aktionstage, die jedes Jahr am 25. November starten und am 10. Dezember enden. Mit der Verbindung dieser beiden Daten wird darauf hingewiesen, dass Frauenrechte Menschenrechte sind: Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der 10. Dezember der Tag der Menschenrechte.


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