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05.12.2017 Von: EH/LP

Sprechen wir darüber - Gewalt an Mädchen und jungen Frauen (#sprechenwirdarüber)

Sprechen wir darüber - Heute über die Erlebnisse von «Johanna». Frauenrechte sind Menschenrechte – das gilt auch für Frauen und Mädchen im Asyl- und Ausländerrecht. Die Schweizerische Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht (SBAA) will im Rahmen der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» die erlebte Gewalt von Frauen im Asyl- und Ausländerrecht sichtbar machen. Mit dokumentierten Fällen und 6 Berichten der Serie «Sprechen wir darüber! Gewalt an Mädchen und Frauen auf der Flucht und im Asylverfahren» der Amnesty International Frauengruppe Zürich werden die vielfältigen Gewalterfahrungen von Migrantinnen und deren Anerkennung durch Schweizer Behörden thematisiert.


Kampagnensujet 2017

«16 Tage gegen Gewalt an Frauen» 

 

#sprechenwirdarüber

 

 

«Johanna» Fall 294

In ihrer Heimat wird «Johanna» nach der Ablehnung aufdringlicher Avancen seitens eines höheren Militärs verschleppt, tagelang an einem geheimen Ort festgehalten und mehrfach vergewaltigt. Im November 2009 flieht «Johanna» aus der Demokratischen Republik Kongo in die Schweiz und stellt ein Asylgesuch. Das BFM (heute: SEM) glaubt «Johannas» frauenspezifischen Fluchtgründen nicht und weist das Asylgesuch wegen fehlender Genauigkeit der Schilderungen und deren mangelnde Glaubhaftigkeit (Substantiiertheit) der angegebenen Asylgründen im Januar 2010 ab und verwies sie in die Nothilfe des kantonalen Sozialdienstes. Auch die von «Johannas» vorgebrachte Minderjährigkeit lässt das BFM nicht gelten. Die vom BFM durchgeführten Anhörungen sind von Misstrauen geprägt und sind auf die Feststellung von Widersprüchen ausgelegt. Traumatisierte Personen benötigen jedoch eine anteilnehmende Atmosphäre, damit sie in der Lage sind, über ihre Traumen (substantiiert; glaubhaft und detailliert) sprechen zu können. Erst als es «Johanna» möglich war ein Wiedererwägungsgesuch aufgrund einer externen ärztlichen Beurteilung und Gutachtung einzureichen, wurde sie schlussendlich vorläufig aufgenommen.

  

  • Welchen Nutzen haben standardisierte, auf die physischen Befindlichkeiten der Asylsuchenden beschränkte Nachbefragungen bei Vergewaltigungsopfern? Wäre es nicht effizienter, die psychische Verfassung von externer Seite abklären zu lassen und die Erkenntnisse in das Vorgehen bei der zweiten Anhörung einfliessen zu lassen?
  • Die vom BFM durchgeführte Anhörung war von Misstrauen geprägt und ist auf die Feststellung von Widersprüchen ausgelegt. Traumatisierte Personen benötigen jedoch eine anteilnehmende Atmosphäre, damit sie in der Lage sind, über ihre traumatischen Erlebnisse zu sprechen. Wie ist diese Befragungstechnik mit dem Untersuchungsprinzip und der Notwendigkeit, den Sachverhalt objektiv festzustellen, zu vereinbaren?
  • Das Istanbul-Protokoll zum Schutz für Opfer von Gewalt wurde von der Schweiz unterschrieben und die Schweiz hat sich entschieden, das Protokoll zu ratifizieren. Bei der Umsetzung des Protokolls sollte die Schweiz auch die Stellung von gewaltbetroffenen Frauenflüchtlingen beachten. Die Schweiz müsste die Standards des Istanbul-Protokolls konsequent anwenden und bei der Bearbeitung von Gesuchen bezüglich Folter und Vergewaltigung miteinbezogen werden!

 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Fachbericht der SBAA „Frauen – Flucht – Asyl“ und im Fachbericht der SBAA „Kinder und Jugendliche auf der Flucht“.

 

2017 findet in der Schweiz zum zehnten Mal die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Das Fokusthema der Kampagne 2017 lautet „Sprechen wir darüber – Gewalt an Mädchen und jungen Frauen in der Schweiz“. Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren sind gemäss aktuellen Forschungsergebnissen und nationalen Statistiken einem erhöhten Risiko ausgesetzt, verschiedenste Formen von Gewalt zu erfahren. Dazu gehören sexuelle Übergriffe durch Gleichaltrige (auch in jugendlichen Paarbeziehungen), häusliche Gewalt durch Eltern oder Gewalterlebnisse im virtuellen Raum, wie Cybermobbing, Sexting oder Cyberstalking. Auch Gewalt im Migrationskontext ist in dieser Altersklasse ausgeprägt (Genitalverstümmelung, Zwangsheirat), ebenso strukturelle Gewaltformen wie Sexismus oder Diskriminierung. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Plakatkampagne, zahlreichen Veranstaltungen und interaktiven Angeboten für Jugendliche wird das Thema gesellschaftlich enttabuisiert.

 

Die Kampagne umfasst 16 Aktionstage, die jedes Jahr am 25. November starten und am 10. Dezember enden. Mit der Verbindung dieser beiden Daten wird darauf hingewiesen, dass Frauenrechte Menschenrechte sind: Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der 10. Dezember der Tag der Menschenrechte.


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