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07.12.2017 Von: EH/LP

Sprechen wir darüber - Gewalt an Mädchen und jungen Frauen (#sprechenwirdarüber)

Sprechen wir darüber - Heute über die Erlebnisse von «Soraya». Frauenrechte sind Menschenrechte – das gilt auch für Frauen und Mädchen im Asyl- und Ausländerrecht. Die Schweizerische Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht (SBAA) will im Rahmen der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» die erlebte Gewalt von Frauen im Asyl- und Ausländerrecht sichtbar machen. Mit dokumentierten Fällen und 6 Berichten der Serie «Sprechen wir darüber! Gewalt an Mädchen und Frauen auf der Flucht und im Asylverfahren» der Amnesty International Frauengruppe Zürich werden die vielfältigen Gewalterfahrungen von Migrantinnen und deren Anerkennung durch Schweizer Behörden thematisiert.


Kampagnensujet 2017

«16 Tage gegen Gewalt an Frauen» 

 

#sprechenwirdarüber


«Soraya» Fall 256

Nachdem ihr Asylgesuch in Schweden abgewiesen wurde, reichte «Soraya», eine junge Eritreerin, in der Schweiz ein zweites Asylgesuch ein. Ihr Ehemann, den sie in Schweden nach traditionellem Brauch geheiratet hat, lebt als anerkannter Flüchtling ebenfalls in der Schweiz. Das BFM (heute: SEM) tritt nicht auf ihr Asylgesuch ein und entscheidet, sie gemäss den Regelungen der Dublin-Verordnung zurück nach Schweden zu überstellen. «Soraya» wird daraufhin in Administrativhaft genommen. Da sie mit dem Entscheid nicht einverstanden ist, reicht sie vor BVGer eine Beschwerde ein, in der sie vorbringt, dass sie erstens in Schweden bereits einen negativen Entscheid erhalten habe und deshalb bei einer Rückkehr dorthin nach Eritrea ausgeschafft werden würde und zweitens, dass sie seit einigen Wochen von ihrem Ehemann schwanger sei und ein Kind erwarte. Obwohl die Beschwerde vor BVGer aufschiebende Wirkung hat, wird die Administrativhaft von «Soraya» aufrechterhalten. Ihr Gesundheitszustand verschlechtert sich so sehr, dass sie nach 7 Wochen in Haft ihre Schwangerschaft abbrechen muss. Am gleichen Tag, direkt nach der Beendigung ihres Spitalaufenthalts, wird «Soraya» erneut inhaftiert. Erst am folgenden Tag wird ihre Haft aus Gründen der Unverhältnismässigkeit vom kantonalen Gericht aufgehoben, ihre gesundheitlichen Probleme und der Schwangerschaftsabbruch werden jedoch mit keinem Wort erwähnt. Später entscheidet das BVGer, dass «Sorayas» Asylgesuch in der Schweiz geprüft wird (sog. Selbsteintritt), dies aufgrund der «besonderen Umstände des Falles» und des Risikos einer Rückschiebung in den Sudan, weil Schweden davon ausgeht, dass es sich dabei um das tatsächliche Herkunftsland von «Soraya» handelt.

 

 

  • Im Namen welcher Interessen kann man die Inhaftierung einer schwangeren Frau rechtfertigen? Im Namen welcher Interessen kann man die Inhaftierung einer Frau nach dem Verlust ihres Kindes rechtfertigen? Ist eine solche Praxis keine unmenschliche Behandlung im Sinne der Europäischen Menschenrechtskonvention?
  • Ist es nicht umsonst und unverhältnismäßig, um jeden Preis eine Person wegzuweisen, die vermutlich von einem zukünftigen Familiennachzug profitieren kann?

 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Fachbericht der SBAA „Frauen – Flucht – Asyl“.

 

*Dieser Fall wurde vom Observatoire romande du droit d’asile et des étrangers (ODAE) aufgearbeitet und dokumentiert* 

 

2017 findet in der Schweiz zum zehnten Mal die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Das Fokusthema der Kampagne 2017 lautet „Sprechen wir darüber – Gewalt an Mädchen und jungen Frauen in der Schweiz“. Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren sind gemäss aktuellen Forschungsergebnissen und nationalen Statistiken einem erhöhten Risiko ausgesetzt, verschiedenste Formen von Gewalt zu erfahren. Dazu gehören sexuelle Übergriffe durch Gleichaltrige (auch in jugendlichen Paarbeziehungen), häusliche Gewalt durch Eltern oder Gewalterlebnisse im virtuellen Raum, wie Cybermobbing, Sexting oder Cyberstalking. Auch Gewalt im Migrationskontext ist in dieser Altersklasse ausgeprägt (Genitalverstümmelung, Zwangsheirat), ebenso strukturelle Gewaltformen wie Sexismus oder Diskriminierung. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Plakatkampagne, zahlreichen Veranstaltungen und interaktiven Angeboten für Jugendliche wird das Thema gesellschaftlich enttabuisiert.

 

Die Kampagne umfasst 16 Aktionstage, die jedes Jahr am 25. November starten und am 10. Dezember enden. Mit der Verbindung dieser beiden Daten wird darauf hingewiesen, dass Frauenrechte Menschenrechte sind: Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der 10. Dezember der Tag der Menschenrechte.


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