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30.11.2017 Von: EH/LP

Sprechen wir darüber - Gewalt an Mädchen und jungen Frauen (#sprechenwirdarüber)

Sprechen wir darüber - Heute über die Erlebnisse von «Amal». Frauenrechte sind Menschenrechte – das gilt auch für Frauen und Mädchen im Asyl- und Ausländerrecht. Die Schweizerische Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht (SBAA) will im Rahmen der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» die erlebte Gewalt von Frauen im Asyl- und Ausländerrecht sichtbar machen. Mit dokumentierten Fällen und 6 Berichten der Serie «Sprechen wir darüber! Gewalt an Mädchen und Frauen auf der Flucht und im Asylverfahren» der Amnesty International Frauengruppe Zürich werden die vielfältigen Gewalterfahrungen von Migrantinnen und deren Anerkennung durch Schweizer Behörden thematisiert.


Kampagnensujet 2017

«16 Tage gegen Gewalt an Frauen» 

 

#sprechenwirdarüber


«Amal» Fall 234

Nachdem «Amal» Opfer einer Vergewaltigung durch al-Shabaab-Milizen wurde, verlässt sie Somalia und stellt in der Schweiz ein Asylgesuch. Ihre fünf Kinder, im Alter zwischen zwei und zehn Jahren, muss sie bei ihrer Mutter «Halima » zurücklassen, weil die Reise für sie zu gefährlich wäre. Ihr Asylgesuch wird abgewiesen, aufgrund der Unzumutbarkeit der Wegweisung erhält «Amal» aber eine vorläufige Aufnahme. Da Kinder unter 18 Jahren von vorläufig Aufgenommenen frühestens drei Jahre nach Anordnung der vorläufigen Aufnahme nachgezogen werden können, hat «Amal» keine Möglichkeit ihre Kinder in die Schweiz zu holen.

Nachdem ihr Sohn ermordet wurde, flieht «Halima» mit ihren fünf Enkelkindern nach Addis-Abeba. In Äthiopien lebt die Familie in extremer Armut und unter der ständigen Angst, zurück nach Somalia ausgeschafft zu werden. Anfang 2012 stellt die Familie mit der Unterstützung eines Rechtsvertreters ein Asylgesuch aus dem Ausland. In der Zwischenzeit wird die älteste Tochter von «Amal» von drei Männern auf der Strasse vergewaltigt, die äthiopischen Behörden weigern sich, die Anzeige zu registrieren. Nachdem der Rechtsvertreter einen ersten Fragebogen des BFM (heute: SEM) beantwortete, erhielt die Familie keine Neuigkeiten mehr. Fünf Briefe, die der Rechtsvertreter verfasste, um auf die Dringlichkeit des Falles aufmerksam zu machen, blieben ohne Antwort.

Im Jahr 2013 informiert der Rechtsvertreter das BFM über den Tod von «Halima» und über die Tatsache, dass die fünf Kinder aus diesem Grund nun sich selbst überlassen sind. Da auch auf diese Meldung keine Antwort erfolgt, kontaktiert der Rechtsvertreter Bundesrätin Sommaruga und erklärt ihr die Situation. Nur wenige Monate später, im Dezember 2013, wird den Kindern ein Einreisevisum erteilt. 

 

 

 

  • Wie kann das BFM (heute SEM) die wiederholten Anfragen dieser notleidenden Familie ignorieren und erst durch die Intervention des Bundesrates das Gesuch prioritär behandeln? 
  • Inwieweit berücksichtigt das BFM das Wohl des Kindes, wenn es das Asylverfahren trotz der Vergewaltigung der ältesten Tochter und des Todes von «Halima» - einzige erwachsene Bezugsperson der fünf Kinder von «Amal» - nicht beschleunigt?

 

 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Fachbericht der SBAA „Frauen – Flucht – Asyl“ und im Fachbericht der SBAA „Familienleben - (k)ein Menschenrecht. Hürden für den Nachzug und den Verbleib in der Schweiz“, welcher Ende 2017 erscheinen wird.

 

*Dieser Fall wurde vom Observatoire romande du droit d’asile et des étrangers (ODAE) aufgearbeitet und dokumentiert*

 

 

 

 

 

2017 findet in der Schweiz zum zehnten Mal die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Das Fokusthema der Kampagne 2017 lautet „Sprechen wir darüber – Gewalt an Mädchen und jungen Frauen in der Schweiz“. Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren sind gemäss aktuellen Forschungsergebnissen und nationalen Statistiken einem erhöhten Risiko ausgesetzt, verschiedenste Formen von Gewalt zu erfahren. Dazu gehören sexuelle Übergriffe durch Gleichaltrige (auch in jugendlichen Paarbeziehungen), häusliche Gewalt durch Eltern oder Gewalterlebnisse im virtuellen Raum, wie Cybermobbing, Sexting oder Cyberstalking. Auch Gewalt im Migrationskontext ist in dieser Altersklasse ausgeprägt (Genitalverstümmelung, Zwangsheirat), ebenso strukturelle Gewaltformen wie Sexismus oder Diskriminierung. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Plakatkampagne, zahlreichen Veranstaltungen und interaktiven Angeboten für Jugendliche wird das Thema gesellschaftlich enttabuisiert.

 

Die Kampagne umfasst 16 Aktionstage, die jedes Jahr am 25. November starten und am 10. Dezember enden. Mit der Verbindung dieser beiden Daten wird darauf hingewiesen, dass Frauenrechte Menschenrechte sind: Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der 10. Dezember der Tag der Menschenrechte.


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