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24.07.2017 Von: EH

Menschenhandel im Asylverfahren

Das Dublin-Verfahren darf nicht verhindern, dass Opfer von Menschenhandel angemessene Hilfestellungen erhalten. Die Schweiz sollte in diesen Fällen aus humanitären Gründen selber auf die Asylgesuche der betroffenen Frauen eintreten.


Vermehrt werden auch in der Schweiz Fälle von Frauen- und Mädchenhandel im Asylverfahren publik. Den betroffenen Frauen wird oftmals zu wenig Schutz geboten, wie Opferberatungsstellen beobachten. Vielfach werden sie beispielsweise wieder in dasjenige Land zurückgeschickt, in dem sie als erstes registriert, auch wenn sie dort als Zwangsprostituierte ausgebeutet wurden. Die strikte Einhaltung des Dublin-Verfahrens verunmöglicht so immer wieder einen wirksamen Opferschutz. Das muss sich ändern! Dies fordern auch zwei SP-Vorstösse von Yvonne Feri und Min Li Marti. 

 

 

Der Tagesanzeiger veröffentlichte kürzlich zwei aufschlussreiche Artikel zu Menschenhandelsopfern aus Nigeria und der damit verbundenen Juju-Praxis:

 

Der Tagesanzeiger , 22.07.2017, Raphaela Birrer: "Ein brutales Geschäft erreicht die Schweiz"

 

Der Tagesanzeiger , 21.07.2017, Claudia Blumer: "Diese Mädchen brauchen Schutz"

 

Oder in einem Beitrag der WOZ vom 22. Juni 2017, Noëmi Landolt und Isabel Peterhans: "Ich habe versucht zu leben"

 

Mehr zum Thema Frauenhandel finden Sie unter anderem auf der Website der FIZ Makasi Fachstelle für Frauenhandel, insbesondere auch im Rundbrief vom November 2016 "Ausgebeutet. Traumatisiert. Ausgeschafft"

 

Die SBAA thematisierte dieses Problem in Einzelfällen auf unserer Falldatenbank und unserem Fachbericht 2016 "Frauen-Flucht-Asyl":

 

Fall 288: «Kezia» wuchs in einem Dorf in Nigeria auf, wo sie bis zu ihrer Ausreise mit ihrer Mutter und ihrem älteren Bruder lebte. Im Alter von 22 Jahren wurden sie und ein weiteres Mädchen von einer Frau überredet, mit ihr nach Europa zu kommen, um dort zu arbeiten. Im Januar 2009 flogen sie zu dritt nach Mailand, wo die beiden Mädchen zur Prostitution gezwungen wurden. Es wurde ihnen gesagt, dass sie 70'000 Euro abzahlen müssen, andernfalls würden ihre Familien umgebracht. Zwei Monate später konnte «Kezia» fliehen und lebte vorübergehend auf der Strasse, wo sie vergewaltigt wurde. Nach zwei Wochen wurde sie von einem Mann aus Nigeria bei sich aufgenommen. «Kezia» erfuhr, dass ihre Mutter bedroht und geschlagen wurde und dass sie nun für sie das Geld auftreiben müsse. Zudem wurde der Mutter ein Finger abgeschnitten. Die Unbekannten sagten ihr, dass sie «Kezia» suchen und töten werden, wenn sie nicht bezahle. Ein anderes Mädchen, das fliehen konnte, wurde mit 27 Messerstichen nackt auf der Strasse gefunden. Im Februar 2010 brachte «Kezia» einen Sohn zur Welt. Als sie im August 2014 versuchte, ihre Mutter anzurufen, wurde ihr mitgeteilt, dass man die Mutter seit einem Monat nicht mehr gesehen habe. «Kezia» fürchtete nun noch mehr um ihr Leben, verliess Italien und floh in die Schweiz, wo sie ein Asylgesuch stellte.

 

Lesen Sie mehr zum Thema frauenspezifische Fluchtgründe in unserem Fachbericht 2016 "Frauen-Flucht-Asyl"


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