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09.12.2017 Von: EH/LP

Sprechen wir darüber - Gewalt an Mädchen und jungen Frauen (#sprechenwirdarüber)

Sprechen wir darüber - Heute über die Erlebnisse von «Elira». Frauenrechte sind Menschenrechte – das gilt auch für Frauen und Mädchen im Asyl- und Ausländerrecht. Die Schweizerische Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht (SBAA) will im Rahmen der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» die erlebte Gewalt von Frauen im Asyl- und Ausländerrecht sichtbar machen. Mit dokumentierten Fällen und 6 Berichten der Serie «Sprechen wir darüber! Gewalt an Mädchen und Frauen auf der Flucht und im Asylverfahren» der Amnesty International Frauengruppe Zürich werden die vielfältigen Gewalterfahrungen von Migrantinnen und deren Anerkennung durch Schweizer Behörden thematisiert.


Kampagnensujet 2017

«16 Tage gegen Gewalt an Frauen» 

 

#sprechenwirdarüber

 

«Elira» Fall 308

«Elira» heiratete 2012 Ihren Partner, welcher eine C-Erlaubnis besitzt. Im selben Jahr kommt sie in die Schweiz und bringt ihre gemeinsame Tochter «Shpresa» zur Welt, welche analog zum Vater eine Niederlassungsbewilligung erhält. Im Jahr 2014 bricht ein Streit in der Wohnung aus, in der das Ehepaar mit der Familie von «Eliras» Ehemann zusammenwohnt. «Eliras» Ehemann schlägt und beleidigt sie. Sie schaffte es schließlich, die Polizei anzurufen. Daraufhin erhebt sie Klage und kann mit ihrer 3-jährigen Tochter, die die ganze Szene miterlebt hat, an einem anderen Ort wohnen. «Elira» stellte mit Hilfe eines Rechtsbeistandes einen Antrag auf Verlängerung der Aufenthaltsgenehmigung, welche sie durch den Familiennachzug zu ihrem Ehemann erhalten hatte. Sie beruft sich dabei auf die erlittene Gewalt, welche sie durch mehrere medizinische Berichte, den Polizeibericht, sowie durch ein Zentrum für Opferhilfe belegte. «Elira» gibt an, dass der oben beschriebene Zwischenfall kein Einzelfall darstellt, sondern sie Gewalt durch ihren Ehemann bereits seit längerem erlebt. Das SEM zweifelt jedoch an der Intensität und der Systematik der ehelichen Gewalt, die «Elira» erfahren hat, indem es ihre Aussage in Frage stellt und den Worten des Ehemanns eine grössere Bedeutung einräumt. Die Behörde beschließt «Elira» mit ihrer 3-jährigen Tochter, die eine C-Erlaubnis besitzt, wegzuweisen. Dabei ignoriert das SEM das Recht des Mädchens, mit beiden Elternteilen zusammenzuleben. «Elira» ist zweifaches Opfer, einerseits von häuslicher Gewalt und andererseits von einer Regierung, die sie schützen sollte, die jedoch die erlittene Gewalt bestreitet und verfügt, sie wegzuweisen.

 

 

  • Schreckt diese Praxis Frauen in einer ähnlichen Situation nicht davon ab, gewalttätige Partner zu verlassen, welche manchmal sogar ihr Leben bedrohen?
  • Jede Gewalt an Menschen ist zu viel und das Asylgesetz schreibt ausdrücklich vor, dass frauenspezifischen Fluchtgründen Rechnung getragen werden muss. Wie kann das SEM entscheiden, ab wann häusliche Gewalt genügend intensiv und systematisch ist? Und wenn das SEM sich eine solche Entscheidung zutraut, wieso wird die Meinung von Experten und der Opferhilfe nicht höher gewichtet?

 

 

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie im Fachbericht des Observatoire romande du droit d’asile et des étrangers (ODAE) „Femmes étrangères victimes de violences conjugales. Obstacles au renouvellement du permis de séjour en cas de séparation" und im Fachbericht der SBAA „Frauen – Flucht – Asyl“.

 

 

*Dieser Fall wurde vom ODAE aufgearbeitet und dokumentiert*

 

 

 

 

 

2017 findet in der Schweiz zum zehnten Mal die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Das Fokusthema der Kampagne 2017 lautet „Sprechen wir darüber – Gewalt an Mädchen und jungen Frauen in der Schweiz“. Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren sind gemäss aktuellen Forschungsergebnissen und nationalen Statistiken einem erhöhten Risiko ausgesetzt, verschiedenste Formen von Gewalt zu erfahren. Dazu gehören sexuelle Übergriffe durch Gleichaltrige (auch in jugendlichen Paarbeziehungen), häusliche Gewalt durch Eltern oder Gewalterlebnisse im virtuellen Raum, wie Cybermobbing, Sexting oder Cyberstalking. Auch Gewalt im Migrationskontext ist in dieser Altersklasse ausgeprägt (Genitalverstümmelung, Zwangsheirat), ebenso strukturelle Gewaltformen wie Sexismus oder Diskriminierung. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Plakatkampagne, zahlreichen Veranstaltungen und interaktiven Angeboten für Jugendliche wird das Thema gesellschaftlich enttabuisiert.

 

Die Kampagne umfasst 16 Aktionstage, die jedes Jahr am 25. November starten und am 10. Dezember enden. Mit der Verbindung dieser beiden Daten wird darauf hingewiesen, dass Frauenrechte Menschenrechte sind: Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der 10. Dezember der Tag der Menschenrechte.


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