Der aktuelle ParLetter der SBAA greift politische Vorstösse auf, die auf sehr unterschiedliche Problemlagen reagieren, in der Konsequenz aber oft in dieselbe Richtung weisen: Schutz wird an Bedingungen geknüpft, soziale Unterstützung weiter eingeschränkt und rechtsstaatliche Garantien relativiert. Besonders deutlich zeigt sich das in der Debatte um häusliche Gewalt im Migrationskontext. Die SBAA begrüsst, dass der Handlungsbedarf anerkannt wird, warnt aber davor, Prävention und Opferschutz mit Integrationspflichten oder migrationsrechtlichen Sanktionen zu verknüpfen. Wirksamer Gewaltschutz setzt dort an, wo Betroffene tatsächlich Unterstützung erhalten: beim diskriminierungsfreien Zugang zu Beratung, Schutz und sicheren Unterkünften ohne Angst vor negativen ausländerrechtlichen Folgen.
Kritisch eingeordnet werden zudem mehrere Vorstösse, die Sozialhilfe, Härtefallregelungen oder Nothilfe im Asylbereich als angebliche «Fehlanreize» darstellen. Der ParLetter zeigt, dass diese Argumentation an der rechtlichen und praktischen Realität vorbeigeht: Die Leistungen sind bereits heute stark eingeschränkt, und weitere Verschärfungen würden kaum Steuerungswirkung entfalten, dafür aber Notlagen verschärfen. Besonders problematisch ist dies bei der Nothilfe, die in der Praxis oft lange Jahre dauert und von der auch hunderte Kinder und Jugendliche betroffen sind.
Der ParLetter thematisiert ausserdem neue Hürden beim Zugang zur unentgeltlichen Rechtspflege im Asylverfahren sowie sicherheitspolitische Vorstösse, die pauschal auf «kriminelle Asylsuchende» zielen und neue Sondermassnahmen im Asylrecht schaffen wollen. Aus Sicht der SBAA drohen solche Ansätze bestehende Schutz- und Verfahrensrechte zu schwächen, ohne tragfähige Antworten auf die tatsächlichen Herausforderungen zu bieten.
Hier gehts zur Übersicht aller ParLetter der SBAA: https://beobachtungsstelle.ch/de/hauptmenu/berichte/parletter/
Vor jeder Session tauscht sich die SBAA mit diversen Akteur:innen der Zivilgesellschaft, darunter Solidarité Sans Frontières (SOSF), asile.ch, Elisa-asile, ODAE-Romand, dem Centre Social Protestant (CSP) sowie weiteren, über die anstehenden Geschäfte im Parlament aus. Unsere und weitere spannende Analysen finden Sie auch auf deren Websites.
09. März 2026 (mh)