Ver­nehm­las­sungs­ant­wor­ten zum Rei­se­ver­bot und der Son­der­re­ge­lung mit Sta­tus S

Die SBAA for­dert grund­rechts­kon­for­me Aus­nah­men und einen ein­heit­li­chen Schutz­sta­tus für alle Kriegsvertriebenen.

Die SBAA reicht heu­te zwei Ver­nehm­las­sungs­ant­wor­ten ein: zur Umset­zung des bereits beschlos­se­nen pau­scha­len Rei­se­ver­bots (Ver­nehm­las­sung 2025/65 – Anpas­sun­gen auf Ver­ord­nungs­ebe­ne) sowie zur Son­der­re­ge­lung für Rei­sen von Per­so­nen aus der Ukrai­ne mit Schutz­sta­tus S (Ver­nehm­las­sung 2024/82 – Geset­zes­an­pas­sun­gen in AIG und AsylG).

Im Kern sieht die neue Rege­lung vor, dass asyl­su­chen­de, vor­läu­fig auf­ge­nom­me­ne und schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen künf­tig grund­sätz­lich nicht mehr ins Aus­land rei­sen dür­fen – weder in den Hei­mat-/Her­kunfts­staat noch in ande­re Staa­ten. Aus­nah­men sind nur für weni­ge, eng umschrie­be­ne Kon­stel­la­tio­nen vor­ge­se­hen, gel­ten nicht für alle Sta­tus­grup­pen und erfor­dern zudem ein vor­he­ri­ges Bewil­li­gungs­ver­fah­ren. Für asyl­su­chen­de Per­so­nen wären Hei­ma­trei­sen gar nicht mehr mög­lich; für vor­läu­fig Auf­ge­nom­me­ne und schutz­be­dürf­ti­ge Per­so­nen sol­len Hei­ma­trei­sen nur noch in Aus­nah­me­fäl­len (z. B. zur Vor­be­rei­tung der defi­ni­ti­ven Aus­rei­se) erlaubt sein.

Gleich­zei­tig soll mit der Ver­nehm­las­sung 2024/82 eine Son­der­re­ge­lung für Per­so­nen aus der Ukrai­ne mit Schutz­sta­tus S geschaf­fen wer­den: Weil für sie auf­grund der euro­päi­schen Rei­se­re­geln wei­ter­hin Rei­se­frei­heit im Schen­gen-Raum besteht, sol­len sie von den neu­en Rei­se­ver­bo­ten aus­ge­nom­men wer­den. Damit wird jedoch eine Rechts­un­gleich­heit wei­ter zemen­tiert: Wäh­rend Per­so­nen mit Sta­tus S wei­ter­hin ohne Bewil­li­gungs­ver­fah­ren rei­sen kön­nen, wür­den Kriegs­ver­trie­be­ne aus ande­ren Regio­nen mas­siv ein­ge­schränkt (mehr dazu in unse­rem Fach­be­richt «Glei­che Rech­te für alle» von 2024).

Die SBAA lehnt die­ses Regime klar ab. Ein Rei­se­ver­bot stellt eine pro­ble­ma­ti­sche Ein­schrän­kung der Bewe­gungs­frei­heit (Art. 10 BV) dar und tan­giert zudem das Recht auf Fami­li­en­le­ben (Art. 14 BV, Art. 8 EMRK). Sol­che Ein­grif­fe müs­sen ver­hält­nis­mäs­sig sein. Die vor­ge­se­he­nen Aus­nah­men sind jedoch so restrik­tiv und mit Bewil­li­gungs­ver­fah­ren ver­bun­den, dass sie den mensch­li­chen Bedürf­nis­sen vie­ler Betrof­fe­ner in der Pra­xis nicht gerecht werden.

Beson­ders dring­lich ist eine pra­xis­taug­li­che Rege­lung für Aus­nah­men bei Fami­li­en- und Ver­wand­ten­be­su­chen sowie in huma­ni­tä­ren Not­la­gen. Drin­gen­de Gesu­che – etwa bei schwe­rer Krank­heit oder Todes­fäl­len – müs­sen rasch behan­delt wer­den; es darf nicht pas­sie­ren, dass Betrof­fe­ne auf eine Bewil­li­gung war­ten, wäh­rend sich im Aus­land eine exis­ten­zi­el­le Situa­ti­on zuspitzt.

Die Son­der­re­ge­lung für Per­so­nen mit Schutz­sta­tus S ist vor die­sem Hin­ter­grund nach­voll­zieh­bar. Sie unter­streicht aber, dass Rei­se­frei­heit grund­sätz­lich mög­lich ist und kei­ne unüber­wind­ba­ren Nach­tei­le mit sich bringt. Die SBAA bekräf­tigt des­halb ihre For­de­rung nach einem ein­heit­li­chen Schutz­sta­tus für alle Kriegsvertriebenen.

Alle Ver­nehm­las­sungs­ant­wor­ten der SBAA sind hier einsehbar.

04. Febru­ar 2026 (mh)