LGBTIQ-Geflüch­te­te sol­len bes­ser geschützt wer­den

Der Ber­ner Gemein­de­rat wür­de im Asyl­ge­setz eine expli­zi­te Nen­nung der sexu­el­len Ori­en­tie­rung und Geschlechts­iden­ti­tät begrüs­sen – ana­log zu den frau­en­spe­zi­fi­schen Flucht­grün­den.

LGBTIQ-Geflüch­te­te (Les­bi­an, Bi, Gay, Trans, Inter­sex, Queer) sol­len in der Wahr­neh­mung ihrer Rech­te auf Asyl bes­ser geschützt wer­den. Dafür will sich der Ber­ner Gemein­de­rat beim Bund ein­set­zen, wie er am 16.01.2019 in einer Ant­wort auf eine Inter­pel­la­ti­on von Tabea Rai fest­hielt. Kon­kret fragt die Inter­pel­lan­tin, ob der Gemein­de­rat es als not­wen­dig erach­tet, das Asyl­ge­setz dahin­ge­hend anzu­pas­sen, dass  auch die sexu­el­le Ori­en­tie­rung und Geschlech­ter­iden­ti­tät ana­log zu den frau­en­spe­zi­fi­schen Flucht­grün­den expli­zit genannt wird. Der Bun­des­rat hat sich aller­dings bereits mehr­mals nega­tiv zu die­sem Begeh­ren geäus­sert, da die aktu­el­le Rechts­la­ge aus­rei­che. Der Schutz von Men­schen, die auf­grund ihrer sexu­el­len Ori­en­tie­rung bzw. ihrer Geschlech­ter­iden­ti­tät ver­folgt wer­den bzw. ernst­haf­ten Nach­tei­len aus­ge­setzt sind, sei unter dem Begriff „Zuge­hö­rig­keit zu einer bestimm­ten sozia­len Grup­pe“ nach Art. 3 Abs. 1 AsylG gere­gelt.

Der Gemein­de­rat schreibt jedoch, dass er aus Grün­den der Rechts­si­cher­heit ana­log den frau­en­spe­zi­fi­schen Flucht­grün­den eine expli­zi­te Nen­nung der sexu­el­len Ori­en­tie­rung und Geschlechts­iden­ti­tät begrüs­sen wür­de. Der Zusatz, dass den frau­en­spe­zi­fi­schen Flucht­grün­den Rech­nung zu tra­gen ist, wur­de 1998 im Asyl­ge­setz ver­an­kert, und führ­te gemäss der Inter­pel­lan­tin zu einer Sen­si­bi­li­sie­rung der The­ma­tik, was auch bei den LGBTIQ-Geflüch­te­ten drin­gend nötig sei.

Die SBAA begrüsst die For­de­rung nach mehr Schutz von LGBTIQ-Geflüch­te­ten. Laut Amnes­ty Inter­na­tio­nal schei­tern die betrof­fe­nen Asyl­ge­su­che vor allem an der man­geln­den Beweis­la­ge bzw. der Unglaub­wür­dig­keit der Flucht­grün­de. Dies trotz dem Wis­sen dar­über, dass Betrof­fe­ne auf­grund trau­ma­ti­scher Erleb­nis­se und der Tabui­sie­rung ihrer sexu­el­len Ori­en­tie­rung bzw. ihrer Geschlechts­iden­ti­tät im Hei­mat­land oft Mühe haben, ihre Flucht­grün­de glaub­haft dar­zu­le­gen. Die­se Schwie­rig­kei­ten und deren ver­hee­ren­den Kon­se­quen­zen für die Betrof­fe­nen beob­ach­tet auch die SBAA, was an den fol­gen­den doku­men­tier­ten Fäl­len nach­voll­zo­gen wer­den kann: Fall 265 und Fall 210. Die SBAA plä­diert daher ins­be­son­de­re dafür, dass Betrof­fe­ne wäh­rend dem Asyl­ver­fah­ren enger betreut und beglei­tet wer­den und Behör­den wie auch Gerich­te die­sen schwie­ri­gen Umstän­den in ihrer Ent­schei­dungs­fin­dung genü­gend Rech­nung tra­gen. Da dies bis­her nicht aus­rei­chend gemacht wird, erach­tet die SBAA die Anpas­sung des Geset­zes­tex­tes als not­wen­dig, um einen umfas­sen­den Schutz garan­tie­ren zu kön­nen.

Bericht im Bund vom 21.01.2019: Stadt Bern will Aner­ken­nung für LGBT-Geflüch­te­te