NGO-Bericht zur Umset­zung der Anti­ras­sis­mus­kon­ven­ti­on

Die SBAA for­dert gemein­sam mit wei­te­ren Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen vom Bund und den Kan­to­nen drin­gen­de Mass­nah­men zur Bekämp­fung von Ras­sis­mus.

Schwei­ze­ri­sche Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen for­dern vom Bund und den Kan­to­nen drin­gen­de Mass­nah­men zur Bekämp­fung von Ras­sis­mus. Dies zeigt ein Bericht der NGO-Platt­form Men­schen­rech­te Schweiz, der heu­te dem UNO-Aus­schuss zur Besei­ti­gung jeder Form von Ras­sen­dis­kri­mi­nie­rung (CERD) über­ge­ben wur­de. Die Schwei­ze­ri­sche Beob­ach­tungs­stel­le für Asyl- und Aus­län­der­recht (SBAA) ist Mit­glied der NGO-Platt­form Men­schen­rech­te Schweiz. Die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­tio­nen for­dern kon­kre­te Anstren­gun­gen gegen rechts­ex­tre­men Popu­lis­mus und ras­sis­ti­sche Hass­re­de, gegen Racial Pro­filing und Poli­zei­ge­walt, gegen Ras­sis­mus gegen­über Jeni­schen, Sin­ti und Roma, Men­schen jüdi­schen oder mus­li­mi­schen Glau­bens sowie Men­schen im Kon­text von Migra­ti­on, Flucht und Asyl.

Dem Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz wird heu­te in der Schweiz eine grös­se­re Bedeu­tung zuge­mes­sen. Die Sicht­bar­keit des Pro­blems hat sich dank der lau­te­ren Stim­me von Betrof­fe­nen und dem gros­sen Enga­ge­ment ver­schie­de­ner Akteur*innen der Zivil­ge­sell­schaft und der Poli­tik erhöht. Posi­ti­ve Ent­wick­lun­gen der letz­ten Jah­re sind die Ein­rich­tung von Bera­tungs­stel­len für Ras­sis­mus­op­fer, die Aus­wei­tung der Anti-Ras­sis­mus-Straf­norm zum Schutz vor Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund der sexu­el­len Ori­en­tie­rung und die Vor­la­ge eines Geset­zes­ent­wurfs für eine natio­na­le Men­schen­rechts­in­sti­tu­ti­on.

Hass­re­de ver­ur­tei­len und bekämp­fen

In ver­schie­de­nen Berei­chen sind die Emp­feh­lun­gen des UNO-Aus­schus­ses jedoch noch nicht umge­setzt. So sind ras­sis­ti­sche Hass­re­den und popu­lis­ti­sche Pro­pa­gan­da dedi­ziert zu bekämp­fen und zu ver­ur­tei­len. Die weit ver­brei­te­te Frem­den­feind­lich­keit und damit zusam­men­hän­gen­de Into­le­ranz in der Gesell­schaft müs­sen besei­tigt wer­den. Dabei ste­hen ins­be­son­de­re Medi­en­schaf­fen­de in der Pflicht, anhal­ten­de Vor­ur­tei­le und Ste­reo­ty­pen gegen­über Min­der­hei­ten und Migrant*innen nicht unhin­ter­fragt wei­ter­zu­ge­ben und zu ver­brei­ten.

Kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund des recht­li­chen Sta­tus

Per­so­nen ohne Schwei­zer Pass wer­den auf­grund ihres Auf­ent­halts­sta­tus viel­fach recht­lich dis­kri­mi­niert. Die Schweiz hat eini­ge weni­ge Hür­den abge­baut, aber gleich­zei­tig Geset­ze und Pra­xis ver­schärft. Seit der Neu­struk­tu­rie­rung des Asyl­ver­fah­rens gel­ten kür­ze­re Behand­lungs- und Beschwer­de­fris­ten. Dies birgt die Gefahr, dass die Rechts­staat­lich­keit des neu­en Asyl­ver­fah­rens nicht immer gewähr­leis­tet wird. Die Unter­brin­gung in den Bun­des­asyl­zen­tren ist geprägt von feh­len­der Pri­vat­sphä­re, ein­ge­schränk­ter Bewe­gungs­frei­heit und Iso­la­ti­on von der Aus­sen­welt. Frau­en füh­len sich in den Unter­brin­gungs­struk­tu­ren häu­fig nicht sicher. Das Kin­des­wohl und die Rech­te von (unbe­glei­te­ten) Kin­dern und Jugend­li­chen wer­den im Asyl­be­reich oft zu wenig berück­sich­tigt.

Ver­schär­fun­gen im Bereich Sozi­al­hil­fe benach­tei­li­gen aus­ser­dem Dritt­staats­an­ge­hö­ri­ge gegen­über Schweizer*innen und EU/EFTA-Staats­an­ge­hö­ri­gen. Wer Sozi­al­hil­fe bezieht, kann zudem die Nie­der­las­sungs­be­wil­li­gung ver­lie­ren – auch wenn der Bezug unver­schul­det ist und die betrof­fe­ne Per­son seit mehr als 15 Jah­ren in der Schweiz lebt. Unver­hält­nis­mäs­si­ge Mass­nah­men wie die Auf­he­bung die­ses zeit­li­chen Schut­zes müs­sen rück­gän­gig gemacht wer­den.

Jeni­sche, Sin­ti und Roma aner­ken­nen und respek­tie­ren

Trotz den Bemü­hun­gen der letz­ten Jah­re wer­den die Min­der­hei­ten der Jeni­schen, Sin­ti und Roma noch immer als Fremd­kör­per behan­delt und sind struk­tu­rel­ler Dis­kri­mi­nie­rung und anhal­ten­der Stig­ma­ti­sie­rung aus­ge­setzt. Roma wer­den noch immer nicht als natio­na­le Min­der­heit aner­kannt. Die Aner­ken­nung fehlt auch für das Roma­nes, die Spra­che der Sin­ti und Roma. Die­se Situa­ti­on ist objek­tiv nicht nach­voll­zieh­bar und basiert auf poli­ti­schen Grün­den. Eben­falls fehlt es an genü­gend Stand-und Durch­gangs­plät­zen für alle fah­ren­den Min­der­hei­ten. Auf kan­to­na­ler Ebe­ne wer­den gesetz­li­che Weg­wei­sungs­ar­ti­kel erlas­sen, die den Min­der­hei­ten­schutz tor­pe­die­ren und bewusst auf die fah­ren­den Jeni­schen, Sin­ti und Roma abzie­len. Die Geschich­te der Jeni­schen, Sin­ti und Roma feh­len in den Lehr­plä­nen und in kan­to­na­le Schul­ma­te­ria­li­en gänz­lich. In die­sem Sin­ne braucht es von den Behör­den mehr Bemü­hun­gen, um Ras­sis­mus gegen Jen­si­che, Sin­ti und Roma zu erken­nen, zu ver­ur­tei­len und mit not­wen­di­gen Mass­nah­men zu bekämp­fen.

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Bericht auf Eng­lisch als PDF

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: https://www.humanrights.ch/de/menschenrechte-schweiz/uno/antirassismuskonvention/