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26.11.2017 Von: EH/LP

Sprechen wir darüber - Gewalt an Mädchen und jungen Frauen (#sprechenwirdarüber)

Sprechen wir darüber - Heute über die Erlebnisse von «María». Frauenrechte sind Menschenrechte – das gilt auch für Frauen und Mädchen im Asyl- und Ausländerrecht. Die Schweizerische Beobachtungsstelle für Asyl- und Ausländerrecht (SBAA) will im Rahmen der Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» die erlebte Gewalt von Frauen im Asyl- und Ausländerrecht sichtbar machen. Mit dokumentierten Fällen und 6 Berichten der Serie «Sprechen wir darüber! Gewalt an Mädchen und Frauen auf der Flucht und im Asylverfahren» der Amnesty International Frauengruppe Zürich werden die vielfältigen Gewalterfahrungen von Migrantinnen und deren Anerkennung durch Schweizer Behörden thematisiert.


Sujet der Kampagne 2017

«16 Tage gegen Gewalt an Frauen» 

 

#sprechenwirdarüber

 

 

 

Fall 298  «María» Die 25-jährige «María» folgt ihrem Mann mit der gemeinsamen Tochter in die Schweiz und wird in die Flüchtlingseigenschaft ihres Mannes eingeschlossen. Während der zweiten Schwangerschaft entwickelt sie Angstgefühle und in der ehelichen Beziehung kommt es vermehrt zu Spannungen. «María» kehrt mit ihrer Tochter nach Bolivien zurück und bringt dort ihren Sohn zur Welt. Als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern ist es für «María» sehr schwierig den Lebensunterhalt in Bolivien zu bestreiten. Nach einem Aufenthalt ihres Exmannes in Bolivien kehrt dieser ohne «Marías» Einverständnis mit den beiden Kindern in die Schweiz zurück. Nach einigen Jahren besuchen die Kinder Maria in Bolivien. Die Kinder bitten die Mutter in der Folge, in die Schweiz zu kommen. «María» kehrt somit zu ihren Kindern in die Schweiz zurück. Seit «Marías» Rückkehr in die Schweiz sind 17 Jahre vergangen, stets ohne eine Aufenthaltsbewilligung. Während all der Jahre hat sie als Reinigungskraft in verschiedenen Haushalten gearbeitet und ihren Lebensunterhalt stets selber bestritten. Ihr gesamtes soziales Netzwerk, das sie sich in dieser Zeit aufgebaut hat, befindet sich in der Schweiz. Ihre Kinder sind in der Schweiz aufgewachsen und haben heute mit der Niederlassungsbewilligung C ein gefestigtes Aufenthaltsrecht in der Schweiz. Die Bindung zwischen «María» und ihren Kindern ist sehr stark, diese stellen für sie die nächsten Bezugspersonen dar. Der Sohn «Marías» ist aufgrund einer angeborenen Behinderung zudem auf die tägliche Unterstützung seiner Mutter angewiesen. Doch auch «María» ist heute mehr denn je auf die Nähe und die Unterstützung ihrer Kinder angewiesen. Die langen Jahre in der Illegalität, die Unsicherheit und Prekarität sowie die ständige Angst entdeckt zu werden haben sich negativ auf «Marías» psychischen Gesundheitszustand ausgewirkt. Nach einem Suizidversuch und stationären Aufenthalten bestätigen die behandelnden Ärzte, dass neben der psychiatrisch-psychotherapeutischen Behandlungskontinuität auch die soziale Unterstützung durch ihre Kinder absolut notwendig sei. Seit 2014 befindet sich «María» in regelmässiger psychologischer Behandlung. 2015 reicht «María» beim kantonalen Migrationsamt ein anonymisiertes Gesuch zur Vorbeurteilung eines Härtefallgesuchs ein, dieses wird von der Behörde jedoch als aussichtslos eingestuft. «María» beschliesst daraufhin mit ihrer Rechtsvertreterin ihre Identität offenzulegen und das Gesuch trotz der negativen Voreinschätzung seitens des Migrationsamtes einzureichen. Sie hofft, dass die Härtefallkommission ihr Gesuch differenzierter zu beurteilen weiss.

 

 

  • «María» hat die Hoffnung, nach Jahren des Lebens in der Illegalität, ihren Aufenthalt in der Schweiz endlich legalisieren zu können, noch nicht aufgegeben. Die Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung würde ihre Lebenssituation massgeblich erleichtern und sicherlich auch zu einer Stabilisierung ihrer Gesundheitssituation beitragen. Wieso wird ein Härtefallgesuch, welches klar die Anforderungen dafür erfüllt, in einer Vorbeurteilung als aussichtslos beurteilt?
  • Wieso werden die Umstände, welche «María» zu einem illegalisierten Leben in der Schweiz führten, nicht kritischer beleuchtet und ihrer Rolle als Mutter Rechnung getragen?

 

 

Lesen sie mehr zu diesem Thema im Fachbericht der SBAA „Das Härtefallrecht in der politischen Auseinandersetzung“, und im Fachbericht der SBAA „Familienleben - (k)ein Menschenrecht. Hürden für den Nachzug und den Verbleib in der Schweiz“, welcher Ende 2017 erscheinen wird.

 

 

 

2017 findet in der Schweiz zum zehnten Mal die internationale Kampagne „16 Tage gegen Gewalt an Frauen“ statt. Das Fokusthema der Kampagne 2017 lautet „Sprechen wir darüber – Gewalt an Mädchen und jungen Frauen in der Schweiz“. Mädchen zwischen 14 und 19 Jahren sind gemäss aktuellen Forschungsergebnissen und nationalen Statistiken einem erhöhten Risiko ausgesetzt, verschiedenste Formen von Gewalt zu erfahren. Dazu gehören sexuelle Übergriffe durch Gleichaltrige (auch in jugendlichen Paarbeziehungen), häusliche Gewalt durch Eltern oder Gewalterlebnisse im virtuellen Raum, wie Cybermobbing, Sexting oder Cyberstalking. Auch Gewalt im Migrationskontext ist in dieser Altersklasse ausgeprägt (Genitalverstümmelung, Zwangsheirat), ebenso strukturelle Gewaltformen wie Sexismus oder Diskriminierung. Mit einer öffentlichkeitswirksamen Plakatkampagne, zahlreichen Veranstaltungen und interaktiven Angeboten für Jugendliche wird das Thema gesellschaftlich enttabuisiert.

 

Die Kampagne umfasst 16 Aktionstage, die jedes Jahr am 25. November starten und am 10. Dezember enden. Mit der Verbindung dieser beiden Daten wird darauf hingewiesen, dass Frauenrechte Menschenrechte sind: Der 25. November ist der internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, der 10. Dezember der Tag der Menschenrechte.


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